Age of Disconsent
- GSI

- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

In einem Jahr, das von einer rasanten digitalen Transformation und wachsenden Sorgen über das Nachlassen bürgerschaftlichen Engagements geprägt war, erinnerte der Abschluss des Erasmus+-Jugendaustauschs Age of Disconsent im November 2025 in Neapel eindrucksvoll an die Kraft grenzüberschreitenden Dialogs zur Stärkung der globalen Gesellschaft und zur Förderung einer gerechten Nachhaltigkeit. Das Projekt reagierte auf die Notwendigkeit, dass junge Menschen ihren politischen Kontext besser verstehen, ihre Meinungen verantwortungsvoll äußern und sich selbstbewusst an öffentlichen Debatten beteiligen – im Einklang mit den Werten des SDG 16 zu inklusiven Gesellschaften.
Im Zentrum der Initiative stand ein klares Prinzip: Demokratie verlangt mehr als passive Zustimmung. Sie braucht Räume, in denen zukünftige Bürgerinnen und Bürger die Fähigkeit entwickeln können, zu hinterfragen, zusammenzuarbeiten und gemeinsam zu gestalten. Das Projekt hob drei Gründe hervor, warum diese Arbeit heute besonders relevant ist: eine Welt, die zunehmend von algorithmusgesteuerten Informationsflüssen beeinflusst wird, steigende Erwartungen an eine offene und transparente öffentliche Debatte sowie die Notwendigkeit, den sozialen Zusammenhalt über kulturelle Grenzen hinweg zu stärken.
Ein gemeinschaftliches Experiment politischer Bewusstseinsbildung
Organisiert von der italienischen Organisation Two Plus Two in Partnerschaft mit DiverCity (Armenien), dem Finnish Peace Committee (Finnland) und dem spanischen Verein Strait Up als Vertreter von GSI Tarifa, brachte der Austausch junge Teilnehmende aus vier Ländern zusammen, darunter eine sechsköpfige Delegation aus Spanien. Ihr gemeinsames Ziel war es, zu untersuchen, wie sich Desinformation verbreitet und wie sich politische Narrative im Zeitalter der sofortigen Kommunikation entwickeln.
Während einer Woche strukturierter, zugleich informeller Lernformate nahmen die Teilnehmenden an Aktivitäten teil, die von kritischer Medienanalyse bis hin zu Simulationen öffentlicher Konsultationen reichten. Das Moderationsteam von Two Plus Two verankerte die Einheiten in gewaltfreier Kommunikation, Werteintegrität und Kontextbewusstsein – Ansätze, die zunehmend als grundlegend für verantwortungsvolle Bürgerschaft anerkannt werden. Diese Methodik ermöglichte es den Teilnehmenden, die Auswirkungen digitaler Ökosysteme zu analysieren, manipulative Diskursrahmen zu erkennen und konstruktive Meinungsverschiedenheiten zu üben – eine Fähigkeit von wachsender Bedeutung in einer polarisierten digitalen Umgebung.
Kooperation, Selbstvertrauen und politische Sprachfähigkeit stärken
Daten zeigen, dass junge Europäerinnen und Europäer einer höheren Desinformation ausgesetzt sind, während zugleich das Vertrauen in traditionelle politische Institutionen sinkt. Aktuelle EU-Jugendstudien weisen darauf hin, dass mehr als 70 Prozent wöchentlich irreführenden Inhalten begegnen, während sich weniger als 40 Prozent in der Lage fühlen, diese wirksam zu hinterfragen. Initiativen wie Age of Disconsent wirken dieser Entwicklung entgegen, nicht durch die Förderung bestimmter politischer Positionen, sondern durch die Stärkung analytischen Denkens und interkulturellen Verständnisses.
In gemischten nationalen Teams entwickelten die Teilnehmenden vergleichende Perspektiven darauf, wie politische Botschaften in ihren Gesellschaften variieren. Dieser interkulturelle Austausch förderte Empathie und Zusammenarbeit und unterstützte eines der zentralen Ziele des Projekts: politische Themen für junge Menschen, die eine vertiefte Beteiligung am gesellschaftlichen Leben suchen, ansprechend, persönlich und aktiv zu gestalten.
Ein Podcast als öffentlicher Beitrag
Das Projekt endete mit einem gemeinschaftlich produzierten Podcast, der die Reflexionen der Teilnehmenden einem breiteren Publikum zugänglich machte. Jede Episode beleuchtete Aspekte digitaler Desinformation, individueller Verantwortung und demokratischer Ausdrucksformen und stellte sicher, dass die Ergebnisse des Projekts über die temporäre Gemeinschaft in Neapel hinaus Wirkung entfalten.
Die Partnerorganisationen haben sich verpflichtet, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen, in Anerkennung der Bedeutung eines langfristigen Netzwerks zur Stärkung jugendlichen Engagements und zur Festigung gesellschaftlicher Resilienz.
Ausblick
Während digitale Kommunikation weiter an Geschwindigkeit gewinnt und politische Narrative komplexer werden, zeigen Projekte wie Age of Disconsent, dass junge Menschen nicht nur Beobachter gesellschaftlichen Wandels sind, sondern aktive Mitgestaltende. Ihre Fähigkeit, kritisch zu hinterfragen, kooperativ zu handeln und verantwortungsvoll zu kommunizieren, könnte entscheidend für die Qualität des öffentlichen Diskurses in den kommenden Jahren sein.
Weitere Informationen zu vergleichbaren internationalen Initiativen zur Förderung von Jugendbeteiligung und digitaler Kompetenz sind über folgende Ressourcen verfügbar:



