Kostenlose Bildung als Weg aus der Armut
- GSI

- 26. Sept.
- 3 Min. Lesezeit

Bildung gilt seit langem als wirkungsvoller Hebel im Kampf gegen die Armut. Diese Überzeugung beruht nicht nur auf Prinzipien, sondern auch auf empirischen Belegen.
Kostenlose Bildung birgt erhebliches Potenzial, Leben zu verändern. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von einer sorgfältigen Umsetzung ab. Ohne ausreichende Finanzierung, eine angemessene Abstimmung mit den Arbeitsmärkten und eine hochwertige Infrastruktur laufen solche Maßnahmen Gefahr, eher symbolisch als substanziell zu wirken.
Messbare Vorteile durch kostenlose Bildung
Die wirtschaftlichen Vorteile von Schulbildung sind beachtlich. Länderübergreifende Untersuchungen gehen von einer Rendite von rund 9 Prozent pro zusätzlichem Schuljahr aus, etwas mehr als die 8,7 Prozent vor dem Jahr 2000. In Tansania beispielsweise bedeutet jedes zusätzliche Schuljahr eine Einkommenssteigerung von 9 bis 11 Prozent.
In den USA hat der Bildungsabschluss einen erheblichen Einfluss auf das Einkommen. Personen mit einem Bachelor-Abschluss verdienen 59 Prozent mehr als Personen mit nur einem High-School-Abschluss, während Master-Absolventen rund 20 Prozent mehr verdienen als Bachelor-Absolventen. Im Laufe des Lebens erhöht ein Bachelor-Abschluss das mittlere Einkommen für Frauen um 580.000 bzw. 830.000 Euro. Postgraduierte Abschlüsse erhöhen dieses Einkommen für Frauen auf rund 1 Million Euro und für Männer auf 1,4 Millionen Euro.
Im weiteren Maßstab wird geschätzt, dass Verbesserungen im Bildungswesen, insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften, zwischen 1960 und 2000 zu drei Vierteln des weltweiten BIP-Wachstums beigetragen haben.
Soziale und entwicklungspolitische Dividenden
Neben finanziellen Vorteilen bietet Bildung auch erhebliche soziale Vorteile. Mütterliche Bildung beispielsweise ist eng mit der Senkung der Kindersterblichkeit unter Fünfjährigen verknüpft: Jedes zusätzliche Schuljahr der Mutter senkt die Kindersterblichkeit um rund 3 Prozent. Bei zwölf Jahren Schulbildung der Mutter ergibt sich eine Senkung um 31 Prozent. Länderspezifische Studien, wie die in Malawi und Uganda, deuten auf eine Senkung der Müttersterblichkeit um rund 10 Prozent pro Schuljahr hin. Historische Analysen zeigen zudem, dass zwischen 1970 und 2009 die verbesserte Bildung der Frauen für die Hälfte des Rückgangs der Kindersterblichkeit unter Fünfjährigen verantwortlich war und so über vier Millionen Leben rettete.
Die Abschaffung der Schulgebühren offenbart jedoch oft bestehende strukturelle Schwächen. In Afrika südlich der Sahara ist das Verhältnis von Schülern zu ausgebildeten Lehrern nach wie vor kritisch hoch: Im Primarbereich kommen auf einen ausgebildeten Lehrer durchschnittlich 58 Schüler, im Sekundarbereich 43. Solche Ungleichgewichte schränken die individuelle Aufmerksamkeit stark ein und beeinträchtigen die Lernqualität.
Eine weitere große Herausforderung stellt die Finanzierung dar. In Ländern mit niedrigem Einkommen kann die Bildung 15 bis 20 Prozent des Staatshaushalts ausmachen, was zu Spannungen mit anderen wichtigen Sektoren wie Gesundheit und Infrastruktur führt.
Ebenso wichtig ist die Relevanz des Lehrplans. Bleibt Bildung abstrakt und losgelöst von der lokalen Wirtschaft, droht selbst gut qualifizierten Absolventen Unterbeschäftigung. Viele Experten plädieren dafür, Berufsausbildung, digitale Kompetenz und Finanzbildung in die Schulprogramme zu integrieren, um sicherzustellen, dass die Schüler ihre Qualifikationen effektiv in eine nachhaltige Existenzsicherung umsetzen können.
Ein integrierter und strategischer Ansatz
Kostenlose Bildung sollte nicht als alleinige Lösung für Armut betrachtet werden. Armut ist vielschichtig und betrifft Einkommen, Gesundheit, Wohnen und Chancen. Bildung kann als starker Multiplikator wirken, aber nur, wenn sie mit Investitionen in Lehrerausbildung, Infrastruktur, soziale Absicherung und Anpassung an die Anforderungen des Arbeitsmarktes einhergeht.
Das nachhaltige Entwicklungsziel für hochwertige Bildung betont Inklusivität und Chancengleichheit. In der Praxis muss das zentrale Ziel jedoch darin bestehen, nicht nur den Zugang zu transformativem, qualitativ hochwertigem Lernen zu gewährleisten.
Kostenlose Bildung, eine langfristige Investition in Gerechtigkeit und Wachstum
Kostenlose Bildung ist nicht nur ein moralisches Gebot, sondern auch eine solide wirtschaftliche Investition. Politiker sollten sie nicht als kurzfristiges Wahlversprechen oder schnelle Erfolgspolitik darstellen. Stattdessen sollte sie als langfristige Investition in Humankapital betrachtet werden, mit messbaren Auswirkungen auf Einkommen, bürgerschaftliches Engagement, Gesundheit und generationenübergreifenden Fortschritt. Effektiv umgesetzt, hat kostenlose Bildung das Potenzial, strukturelle Armutskreisläufe zu durchbrechen und nachhaltiges Wachstum zu fördern.



