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Parallele Realitäten: Wie Kunst auf der Triennale Milano Ungleichheit bekämpft und zum Handeln anregt

  • Autorenbild: GSI
    GSI
  • 1. Sept.
  • 4 Min. Lesezeit
Parallele Realitäten: Wie Kunst auf der Triennale Mailand Ungleichheit bekämpft und zum Handeln anregt
Hunderte von Arakanesen überqueren die Grenze zu Bangladesch, während sie aus Buthidaung in Myanmar fliehen, nachdem sie den Naf-Fluss in Bangladesch überquert haben. Am 10. September 2017.  Redaktionelles Foto: K.M. Asad – Modefoto: Natalie McCreesh


Die von der UN SDG Action Campaign kuratierte Ausstellung Parallel Realities verwandelt die Triennale Milano in eine Plattform für den globalen Dialog . Dieser immersive Pavillon, der vom 13. Mai bis zum 9. November 2025 läuft und die eindrucksvollen Werke des Künstlers Uğur Gallenkuş zeigt, stellt krasse Bilder von Privilegien und Benachteiligung gegenüber, um systemische Ungleichheiten hervorzuheben.


Gallenkuşs Collagen, die Bilder des Wohlstands mit Szenen von Armut und Konflikten vermischen, fordern die Besucher heraus, sich mit unbequemen Wahrheiten über globale Ungleichheiten auseinanderzusetzen. Die Ausstellung steht im Einklang mit SDG 10, indem sie wirtschaftliche, geschlechtsspezifische und klimabedingte Ungleichheiten thematisiert, und verkörpert SDG 17 durch ihre Partnerschaften mit Kulturinstitutionen wie der Triennale Milano und Changemakern weltweit.



Das Design des Pavillons ist sowohl technisch als auch emotional und integriert großformatige Kunstwerke, interaktive digitale Installationen und audiovisuelles Storytelling. Diese Kombination schafft ein multisensorisches Erlebnis, das die Besucher zum Handeln anregt. Die UN-Plattform „Act Now“, die zum Abschluss der Ausstellung vorgestellt wurde, lädt dazu ein, nachhaltige Aktionen zu protokollieren. Ziel ist es, bis November 2025 200.000 Aktivitäten zu erreichen. Solche Initiativen spiegeln einen wachsenden Trend wider: Kulturelle Plattformen werden für die Verbreitung von Nachhaltigkeitsbotschaften immer wichtiger. Laut UNESCO setzen sich 80 % der Menschen eher über kreative Medien mit sozialen Themen auseinander.


Die Macht der Kunst im Kampf gegen Ungleichheiten

Die Fähigkeit der Kunst, kulturelle und sprachliche Barrieren zu überwinden, macht sie zu einem wirksamen Instrument zur Förderung der SDGs. Die Ausstellung „Parallele Realitäten“ nutzt dies, indem sie datenbasierte Narrative mit emotionalem Storytelling kombiniert. So wird beispielsweise hervorgehoben, dass 736 Millionen Menschen unterhalb der internationalen Armutsgrenze leben – eine Zahl aus dem SDG-Fortschrittsbericht 2023 der UN – und gleichzeitig Geschichten von Wegbereitern präsentiert, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Dieser duale Ansatz – analytisch und zugleich zugänglich – sorgt für breite Anziehungskraft und spricht sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit an.


Die Wirkung der Ausstellung hängt jedoch von ihrer Fähigkeit ab, Inspiration in konkrete Ergebnisse umzusetzen. Kritiker weisen darauf hin, dass hochkarätige kulturelle Initiativen Gefahr laufen, symbolisch zu bleiben, wenn sie nicht mit politischem Engagement oder Maßnahmen auf Gemeindeebene einhergehen. Die UN SDG Action Campaign begegnet dem, indem sie die Ausstellung mit globalen Entscheidungsmomenten wie dem High-Level Political Forum verknüpft und so sicherstellt, dass ihre Botschaften über die Galeriewände hinaus Resonanz finden. Marina Ponti , die Global Director der Kampagne, betont: „Dieser Pavillon ist ein dringender Aufruf, Systeme, die Ungleichheit aufrechterhalten, zu überdenken“, und unterstreicht damit ihren Anspruch, einen systemischen Wandel voranzutreiben.


Partnerschaften: Das Rückgrat globaler Ziele

SDG 17 unterstreicht die Notwendigkeit von Partnerschaften mit mehreren Interessengruppen, und „Parallele Realities“ ist ein Beispiel für dieses Prinzip. Die Zusammenarbeit zwischen der UN SDG Action Campaign, der Triennale Milano und Künstlern wie Gallenkuş zeigt, wie sich unterschiedliche Sektoren – Regierung, Kultur und Zivilgesellschaft – für Nachhaltigkeit vereinen können. Die Produktion des Pavillons, die von einem spezialisierten Unternehmen für den technischen Aufbau und die audiovisuelle Integration geleitet wird, verdeutlicht das technische Know-how, das für die Umsetzung solcher Initiativen erforderlich ist. Dieses Partnerschaftsmodell ist von entscheidender Bedeutung: Laut UN belief sich die öffentliche Entwicklungshilfe für die SDGs im Jahr 2017 auf 147 Milliarden US-Dollar. Dennoch sind koordiniertere Anstrengungen erforderlich, um die jährliche Finanzierungslücke der Agenda 2030 von 4 Billionen US-Dollar zu schließen.



Ein syrischer Junge sitzt auf dem Lauf eines zerstörten Panzers. Syrien, 2015. Foto: Yasin Akgül
Ein syrischer Junge sitzt auf dem Lauf eines zerstörten Panzers. Syrien, 2015.  Foto: Yasin Akgül


Die Ausstellung gibt auch Stimmen aus dem Globalen Süden Gehör und thematisiert einen zentralen Kritikpunkt an den SDG-Initiativen: die Notwendigkeit einer gerechten Repräsentation. Durch die Präsentation von Changemakern aus verschiedenen Regionen fördert sie die Nord-Süd- und Süd-Süd-Kooperation und steht im Einklang mit dem Aufruf des SDG 17 zu inklusiven Partnerschaften. Dieser Ansatz bereichert nicht nur die Erzählung, sondern gewährleistet auch Relevanz in allen Kontexten, vom städtischen Mailand bis hin zu ländlichen Gemeinden, die von Klimaungerechtigkeit betroffen sind.


Herausforderungen und Einflussmöglichkeiten

Die Ausstellung „Parallele Realitäten“ ist zwar ein überzeugender Impulsgeber, ihr Erfolg hängt jedoch von der Bewältigung von Herausforderungen ab. Der SDG-Fortschrittsbericht 2023 warnt davor, dass die Fortschritte bei SDG 10 ungleichmäßig verlaufen: Seit 2015 hat die Einkommensungleichheit in 60 % der Länder zugenommen. Kulturelle Initiativen allein können strukturelle Barrieren nicht abbauen, aber sie können den Dialog anregen und zum Handeln bewegen. Die Integration der Ausstellung in die AWorld-App, die einzelne SDG-Maßnahmen verfolgt, ist ein Schritt in Richtung messbarer Wirkung. Die Skalierung solcher Bemühungen bleibt jedoch komplex.


Darüber hinaus stehen die SDGs vor größeren Hürden. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 zeigt Zielkonflikte auf, wie etwa die Balance zwischen Wirtschaftswachstum (SDG 8) und ökologischer Nachhaltigkeit (SDG 13). Der Fokus der Ausstellung auf Ungleichheiten bietet einen Blickwinkel, um diese Spannungen zu bewältigen und plädiert für inklusives Wachstum, das marginalisierten Gemeinschaften Priorität einräumt. Durch die Förderung des Dialogs an einem prestigeträchtigen Ort wie der Triennale Mailand positioniert sie Nachhaltigkeit als kulturelles Gebot, das Politik und öffentliches Verhalten beeinflussen kann.

 

Die Ausstellung „Parallele Realitäten“ ist mehr als eine Kunstausstellung; sie ist ein Weckruf für eine gerechtere, nachhaltigere Welt. Angesichts zunehmender globaler Herausforderungen, wachsender Ungleichheiten, Klimakrisen und sozialer Ausgrenzung zeigen Initiativen wie diese, wie viel Kreativität Veränderungen bewirken kann. Die Arbeit der UN-SDG-Aktionskampagne erinnert uns daran, dass die Erreichung der SDGs gemeinsame Anstrengungen erfordert, von individuellen Maßnahmen bis hin zu systemischen Reformen.


Leser werden ermutigt, tiefer zu recherchieren, indem sie die Website der UN SDG Action Campaign ( https://sdgactioncampaign.org ) besuchen, um Einblicke in die globalen Bemühungen zu erhalten, oder die AWorld-App herunterladen, um nachhaltige Aktionen zu protokollieren. Für einen tieferen Einblick in die SDGs bietet das UN-Portal für nachhaltige Entwicklungsziele ( https://sdgs.un.org ) umfassende Ressourcen. Durch die Nutzung dieser Plattformen können sich Einzelpersonen einer globalen Bewegung anschließen, um unsere Welt zu verändern und sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird.



Künstlerportfolio und weitere Informationen: https://ugurgallenkus.com/

Veranstaltung und weitere Informationen: https://sdgactioncampaign.org/parallel-realities/

 
 
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